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Verwaiste Eltern

Der Tod eines geliebten Menschen ist immer eine schwere Prüfung, aber der Tod eines Kindes gehört zu den schlimmsten Schicksalsschläge, die man sich vorstellen kann. So hat es die Natur doch nicht vorgesehen – dass die Kinder vor ihren Eltern sterben! Zu der Trauer um den Verlust dieses geliebten Menschen kommt zusätzlich die Trauer über ein nicht gelebtes Leben hinzu, über ein Versprechen, das nicht erfüllt wurde.

Gerade, wenn das Kind sehr jung gestorben ist, hat es so viel von dem, was das Leben bietet, noch nicht erlebt. Es konnte sich nicht entwickeln, Dinge ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Stirbt ein Mensch am Ende eines langen und erfüllten Lebens, kann man den Tod als Erlösung sehen. Stirbt hingegen ein kleines Kind, bleiben nur Trauer und Verbitterung ob dieses jähen Endes.

Krise durch den Tod

Jeder Todesfall kann eine Lebenskrise auslösen, aber der Tod eines Kindes tut dies besonders häufig. Viele verwaiste Eltern hadern mit dem Schicksal oder auch – falls sie gläubig sind – mit Gott, der ihnen das angetan hat. Der Tod wird als unverdiente Strafe angesehen. Wut und Zorn richten sich gegen die ungerechte Instanz, die das zugelassen hat. Aber der Tod ist keine bewusste Strafe für begangene Missetaten, sondern er ist ein natürlicher Bestandteil des Lebenskreislaufs, der jeden zu jeder Zeit ereilen kann.

Beim Tod eines Kindes treten zudem sehr oft starke Schuldgefühle auf, unabhängig davon, ob ein Mitverschulden vorliegt oder nicht. Die Eltern lasten sich echte oder imaginäre Versäumnisse an und sind überzeugt: Wären diese nicht passiert, würde ihr Kind vielleicht noch leben. Aber selbst wenn ein Mitverschulden vorliegt – etwa bei einem selbst verursachten Autounfall –, ist es dennoch wichtig und lebensnotwendig, sich diese Schuld zu vergeben. Sonst kann man nie gesunden und wird die Last der Schuld für den Rest seines Lebens mit sich herumtragen.

Der Verlust des gemeinsamen Kindes kann auch in einer Partnerschaft eine Krise auslösen. Menschen trauern unterschiedlich und nicht immer synchron, sodass sich die Partner in unterschiedlichen Trauerphasen befinden können. Auch der Umgang mit der Trauer ist individuell. Daher sollte man mit grossem Verständnis reagieren, wenn der Partner sich nicht so verhält wie man selbst. Sonst kommt zum Verlust des Kindes womöglich noch der Verlust des Partners dazu.

Unterstützung für verwaiste Eltern

Betroffene Eltern bedürfen oft einer besonders liebevollen Unterstützung, um ihren Schicksalsschlag überwinden zu können. Angehörige sind hier wichtig, aber oft verhalten sie sich in dieser schwierigen Situation hilflos oder sind voller Mitleid. Deshalb hilft es manchmal mehr, wenn man sich an einen Seelsorger oder einen professionellen Trauerbegleiter wendet; auch ein Psychotherapeut kann wertvolle Hilfe bieten. Vielleicht sucht man auch den Austausch mit andern betroffenen Menschen und nimmt während einer gewissen Zeit an Gesprächen in Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern teil. So kann man gemeinsam den Schmerz bewältigen und ins Leben zurückkehren – mit der Gewissheit, dass das verstorbene Kind auf ewig seinen Platz in den Herzen der Familienmitglieder behalten wird.